Osterbrief 2020 von Diakon Jonissek

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Das hätte ich nie gedacht. Mir fehlt unsere Gemeinschaft, unser gemeinsames Gebet, unser gemeinsamer Gesang, die Predigt des Pfarrers und meine Gedanken dazu und auch der Gang zur Heiligen Kommunion, das Gespräch danach. Ich achte mehr auf unsere Glocken, wenn sie zum Gebet aufrufen, und manchmal schleiche ich um die Kirche herum. Die Gottesmutter und der Heilige Josef haben plötzlich eine ganz andere Bedeutung und die Heilige Rita, die Heilige, die in unmöglichen Situationen auch hilft, ist gerade meine beste Freundin.

Das hätte ich nie gedacht, dass ich Trauungen und Taufen und Gottesdienste in den Pflegeheimen absagen muss, dass ich nicht zur Beerdigung einer Verwandten darf, weil die Höchstzahl der Trauernden mit der eigenen Familie schon überschritten ist, dass die Erstkommunionfeier meiner Enkeltochter nun auch verlegt werden muss, und das alles tut weh. Und jetzt wird es Ostern. Palmsonntag, und der Herr ist unterwegs und die Menschenmengen jubeln ihm zu. Es wird Gründonnerstag und er sitzt mit Freunden an einem Tisch. Reicht ihnen das Brot, das Brot des Lebens. Er stirbt am Kreuz. Seine Lunge bricht zusammen, die Luft bleibt aus.

Ich freue mich immer so sehr auf das erste Halleluja und die Glocken und die Messdiener mit den Schellen, wenn es heißt: „Der Herr ist auferstanden! Er lebt. Frohlocket ihr Chöre der Engel, frohlocket ihr jubelnden Scharen.“ Es erfüllt mein Herz. Und all dieses in diesem Jahr zu Hause, vor dem Fernseher, ohne Euch und ohne Sie? Denken Sie, fühlt Ihr auch so? Dann haben wir etwas gemeinsam. Dann sind wir doch in unseren Gedanken, unseren Gebeten, unseren Herzen miteinander verbunden. Wir alle sind miteinander in unseren Gefühlen versammelt. Und dort, wo 2 oder 3 in seinem Namen versammelt sind, auch in Gedanken und in Sorge umeinander, da ist er, unser Herr und Gott, der Auferstandene mitten unter uns.

Das hätte ich nie gedacht, aber dieser Gedanke macht auch Freude und lässt es auch in meinem Herzen Ostern sein. Manchmal ist Abstand voneinander wichtig. Wichtig, damit wir alle wieder merken, wie schön es doch ist miteinander zu sein und miteinander zu feiern. Gesundheit und Genesung wünsche ich Ihnen und Euch. Hoffnung und Lebensmut möge Sie und Euch in diesen schweren Tagen begleiten und das Licht der Osterkerze soll auch Ihnen und Euch sagen: „Lumen Christi“, du bist das Licht, das uns Leben schenkt.

Gesegnete Ostertage. Gerhard Jonissek, Diakon