Pfarrer Berkefeld zur Maskenpflicht

... wenn sie nicht richtig sitzt, beschlägt meine Brille. Irgendwann spüre ich dann auch den Druck von den Haltebändern hinter den Ohren und dann kommt unwillkürlich dieser Reiz, sich das Ding einfach wegzureißen. Die widersprüchlichen Meinungen von Experten über Sinn oder Unsinn der Maskenpflicht machen es mir auch nicht einfacher, mich mit diesem neuen Kleidungsstück anzufreunden.

Aber auch die Begegnung mit Menschen, die eine Maske tragen, löst in mir immer noch ein Befremden aus. In unserem Kulturkreis sind wir es nicht gewohnt, nur das halbe Gesicht eines Menschen zu sehen. Die Mimik des Gegenüber sehen zu können, gehört für uns in der Regel zu einer Begegnung dazu. So können wir seine Stimmung einschätzen, wir sehen die Andeutung eines Lächelns oder heruntergezogene Mundwinkel, wir erkennen Interesse oder Langeweile, Aggression oder Wohlmeinen.

Nach allem, was ich gehört habe, sind sich die Experten einig: Mit der Maske kann ich mich selbst nicht vor Corona schützen. Wohl aber scheint die Maske zumindest einen kleinen Beitrag leisten zu können, dass ich andere schütze. Dass ich andere schütze vor der möglichen Gefahr, von mir angesteckt zu werden.

Wenn das so ist, wenn ich einen Maskenträger, eine Maskenträgerin, die mir entgegenkommen, unter diesem Aspekt betrachte, dann sehe ich vielleicht nicht als erstes ein befremdliches Erscheinungsbild, einen Menschen, den ich nicht erkenne, von dem ich nichts weiß, der entstellt und etwas unheimlich daherkommt; sondern einen Menschen, der es gut mit mir meint. Er/Sie trägt den Streifen Stoff, damit ich nach Möglichkeit gesund bleibe.

Normaler Weise ist es doch so: Bei unseren Gängen durch Straßen und Kaufhäuser reden wir ja selten mit den Leuten, die uns begegnen. Und auch nur selten schenken wir uns einen bewussten Blick oder achten aufeinander. Und da könnte es auf einmal sein, dass mein Gegenüber durch diese seltsame Maske zu mir spricht: „Bleib gesund! Ich will, dass es Dir gutgeht.“

Gott segne Sie!

Bleiben Sie gesund!